UA-2504101-1 Archives for 2010 | Energeia | Blog

"Die neue Weltordnung"

DIE NEUE WELTORDNUNG
Referat des Chief Investment Officer der Bank Sarasin + Cie.AG

Von Katharina Gattiker (zitieren erwünscht).
Es war das festlichen Weihnachtessen eines Frauen-Finanzclubs. Angekündigt wurde ein Vortrag “Mega-Trends 2011” gehalten von Dr. Burkhard P. Varnholt, Chief Investment Officer, Bank Sarasin & Cie AG, – ein sehr eloquenter und geschliffener Deutscher, HSG-Absolvent, früher bei Credit Suissse, Morgan Stanley und dem MIT, Mitglied eines oder mehrerer Think-Tanks.

Elegant liess er zuerst Bilder sprechen:
Statt einführender Worte kam ein kurzer Film, wie ein ganzes Dorf mitmacht bei einem Wettstreit mit Domino-Steinen und –Effekten, also angefangen bei kleinen Domino-Steinen, die dann ihrerseits irgendwann auf Bücher treffen, die Bücher klappen auch domino-artig zusammen, dann stossen die Bücher noch grössere Gegenstände an, der Domino-Effekt setzt sich fort bis zum Zusammenbruch von Häusern , Strassen, Ueberschwemmungen!

“Mega-Trends 2011” – ohne Worte!
So hat er zumindest nichts falsches gesagt!

Dann kamen hunderte von Worthülsen wie
“wir hängen alle zusammen” “Sharing “ “Fundament”
“Alle sollen ein Auto fahren können”
Die explodierende Weltbevölkerung wurde mittels Ikea-Kübeln grafisch und symbolhaltig expressiv vermittelt.
Es kamen weitere Phrasen wie
“Die Märkte greifen immer das schwache Glied in der Kette an” “Die Märkte kann man nicht kontrollieren oder stoppen”
(dies nach dem Spin-doctoring-TINA-Prinzip (TINA = There Is No Alternative – sodass die Zuhörer eingeschüchtert werden, dass es wirklich keine andere Lösung gibt als die vom Referenten präsentierte).
Weitere Worthülsen wie “Chance” , “Verantwortung”, “Aufbruch” folgten – ohne genauer ins Detail zu gehen was damit gemeint war.
Zum Schluss des plakativen Bombardements mit manipulativen Botschaften - einerseits eine Sache vollziehe sich sowieso und es gebe keine Alternative, somit wird Kritikern ein Ohnmachtsgefühl eingeträufelt und Widerstand wird gelähmt;
andererseits mit positiv besetzten Worthülsen wie oben (Chance, Verantwortung…Aufbruch..)
kam dann das dicke Ende: Dr. Varnholt verkündete, dass dann eben die Zeit reif sei für eine
Neue Weltordnung. Diesen Begriff verwendete er mehrere Male eindrücklich. Dies werde für alle Menschen endlich Verbesserungen bringen. Und die Schweiz, ja die Schweiz habe Vorbildfunktion, sei das Fundament dieser neuen Weltordnung!

Die Zitate betr. manipulativer NLP-Spin-Doctoring- Techniken entnahm ich dem Buch
“Spin doctors im Bundeshaus” von Judith Barben, Eikos-Verlag.

Die grosse Staatsschuldenkrise - Bailout und / oder Kollaps?

Prof. U.Kohli: Das Leben geht weiter!
Bei der kürzlich auf Einladung von Avenir Suisse versammelten hochkarätigen Professoren-Runde herrschte schlussendlich die grosse Ratlosigkeit wenn nicht Pessimismus was die nähere und fernere Zukunft unseres Finanzsystems anbetrifft.

Der Think-Tank Avenir Suisse hatte den längst berühmt-berüchtigten Wirtschaftsprofessor Dr. Walt Wittman eingeladen, jedoch nicht nur als Kontrastprogramm zu den Oekonomie- und Finanzwissenschafts-Professoren Dominik Egli der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, Prof. Ulrich Kohli – Nationalbank VR und Oekonomie-Prof. der Uni Genf, Prof. Schaltegger der Uni Luzern, Prof. Philip Lane vom Trinity College of Dublin.
Uneinig war sich die illustre Runde, wohin die Reise wohl gehen wird – mehr Richtung Inflation oder Deflation, jedoch ehrlich in der zugestandenen Ratlosigkeit.
Walter Wittmann erklärte die kürzlichen Geschehnisse , wie sie sich zugetragen einerseits und wie sie schöngeredet werden andererseits. Der Staat erhöht die Ausgaben, seine Schulden, und schliesslich die Steuern. Nie werden die notwendigen radikalen Massnahmen ergriffen,, nie kommt Klartext, die Dinge werden immer schön geredet.

Auch die Auslandschulden werden erhöht, was zu einem Zins-/ Schuldenmoratorium führt. Wenn die Bürger keine Anleihen mehr zeichnen, weil sie das Vertrauen verloren haben, gibt es Zwangskredite aufgrund der Vermögenseinschätzung. Dann wird die Notenpresse angeworfen (“quantitative easing”), was zu einer Inflation führt. Dies hat die nicht unangenehme Nebenwirkung der Schuldenreduktion. Schlussendlich gibt es eine Währungs”reform”, und was deren Auswirkungen sind sagt die USA “das ist nicht unser Problem”. Nur Blinde sehen nichts voraus. Optimisten reden von einem “kleinen Einbruch”…..”wird bald wieder besser”…..”dieses Mal ist alles anders” (2007). Dann werden die Zinsen gesenkt, sodass niemand mehr eine Rendite auf seinen Anlagen hat.
Rating Agenturen sind Institute, bei denen man gute Noten kaufen kann.
CDS ermöglichen noch mehr Staatsverschuldung -- alles wird noch schlimmer. Im April 2010 stellte Griechenlandfest “wir brauchen keine Hilfe”. Die Rettung kam wegen der Banken, nicht wegen Griechenland. “Rettung” heisst: alles auf Pump! Es wird minimum 10 Jahre dauern, um die Finanzkrise zu überwinden - wir sind mitten drin!
Protektionismus wird wieder erscheinen, dies wird eine kurze Erholung zur Folge haben, dann kommts noch schlimmer. Die öffentliche PR ist jedoch
“wir haben keine Rezession, die Finanzkrise ist vorbei, etc.”.
Da “Konjunkturprogramm” der US = mehr Schulden = “quantitative easing”.
Die Schuldenrise steckt erst in den Anfängen. Wenn die Zinsen steigen, platzt der Bond-Markt --- Währungsreform. Gewisse Staatsoblis werden Nonvaleurs sein. Je mehr Absicherungen (CDS) desto grosser das Risiko.
Die wichtigsten Reformen in Deutschland werden währen der Fussball-WM im Juni durchgebracht, wenn die Aufmerksamkeit woanders ist.
Leider war auch Prof. Philip Lane vom Trinity College in Dublin sich nicht sicher, ob wir den Kollaps der Finanzsystems in den nächsten 2 Jahren vermeiden können.
(siehe auch www.cash.ch , Interview Ex-SNB-Chefökonom: «Ich mache mir grosse Sorgen» Ulrich Kohli war bis Ende 2009 Mitglied des erweiterten Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank. Siehe Interview: Daniel Hügli anlässlich der Avenir-Suisse-Tagung “Bailout – die grosse Staatsschuldenkrise” vom 13.10.2010.

Ulrich Kohli, ex-Chefökonom der Schweizerischen Nationalbank (SNB), äussert sich im cash-Interview zum Stand der Schuldenkrise, zu Währungstrends und zum Stabfund. Er kritisiert die SNB und deren Geldpolitik scharf.